Einträge verstichwortet Orientierungssinn

Mein Freund Werner

Da bin ich wieder!

Heute möchte ich mal mein Navigationsgerät loben, das mir auf meinen Fahrten ein treuer Wegweiser ist. Ich habe ja schon erwähnt, dass mein Orientierungssinn gleich null ist, deshalb stelle ich es bei allen weiteren Fahrten oder in Städten, in denen ich eine Straße suchen muss, an.

Vor ein paar Wochen hatte ich mein Gerät an Hardy und Angela für ihre „Deutschlandtour“ ausgeliehen. Hardy hat mir dann anstelle der Standard-Männerstimme die Stimme von Werner – das ist der mit dem „Bölkstoff“ – aufgespielt.

Der liebe Werner begleitet mich nun überall hin und sagt mir den Weg in seinem norddeutschen Dialekt an, z.B. „Nun bieg mal liebers links ab“ (hört sich ungefähr so an: „Nun biech maol liebers links aff“) oder „da, wo denn nich mehr weitergeht, bieg mal liebers rechts ab und denn eier aber nicht so rum“.  Am schönsten ist es aber, wenn ich angekommen bin und er sagt: „Wir sind da, mein Herz“ – ist das nicht süß?

Man muss natürlich trotzdem die Route einigermaßen im Kopf haben, weil kein Navi ohne Fehlerquote ist. Manchmal sind ihm Straßen nicht bekannt oder bei der Angabe der einzuschlagenden Richtung wird anstatt Bundesstraße 19  nun 89 angegeben oder so etwas.

Aber eine gut Fahrerin macht Werner aus mir doch nicht. Gestern war ich in Perleberg; als ich zum Parkplatz zurückkam, war mein Auto total eingekeilt und ich traute mir nicht zu, mit meiner langen Kiste auszuparken. Gott sei Dank kam eine junge Frau vorbei, die mich „ausgewiesen“ hat. Da kam ich doch sehr ins Grübeln.

Aber die Krönung habe ich mir heute morgen geleistet: ich habe Stella in den Kofferraum gelassen, aber die Klappe nicht geschlossen (beginnende Demenz??) und bin dann mit hochstehender Klappe (ist ein Kombi) voll gegen das Oberteil des Scheunentores gebrettert. Schaden groß, Kommentar überflüssig.

Ich hoffe, dass ihr nicht so schusselig seid wie eure Renate

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Heißes Pflaster Berlin

Hallo Freunde, es geht weiter!

Wie schon angedeutet, war ich letzte Woche in Berlin (im Juni war ich nur wenige Tage in Gumtow, der Garten sieht dementsprechend aus). Es war gutes Wetter und dann könnte man glauben, dass sich alle Berliner nur in den Straßencafés und Kneipen aufhalten. Sobald die Temperatur über 5° steigt, sitzen sie auf den Bürgersteigen, trinken Kaffee jeder Sorte und reden, reden, reden… und in diesen Tagen war die Temperatur eher bei 30°…

Insgesamt geht es sehr locker zu, man wird nicht neugierig beäugt, man kann sich kleiden wie man möchte – und viele bringen aus ihren Kleiderschränken unglaubliche Kombinationen zum Vorschein; es ist nie langweilig in Berlin, da gibt es viel zu sehen und alles wird toleriert …

Ich war zu einer Generalüberholung im Krankenhaus und wurde dort sehr verwöhnt. Es ist ein ganz altes, liebevoll saniertes Haus und ich lag am Ende eines langen Ganges in einem Einzelzimmer wie Schneewittchen hinter den sieben Bergen.

Morgens ging es los mit dem Fieberthermometer, das ist immer so, dann kam das Frühstück mit der Morgenzeitung, freundliche Nachfrage wie es geht, dann musste ich auf Wanderschaft durchs Haus, mal zum Blut abnehmen, mal zum EKG, zum Ultraschall usw. Das einzige Problem, was ich hatte, war, mich in dem großen Gebäude zurecht zu finden; mein Orientierungssinn ist gleich null.

Es war, wie schon gesagt, in diesen Tagen sehr heiß, auch die Nächte wurden nicht erträglicher. Ich hatte das Fenster weit geöffnet und lauschte den Geräuschen der Stadt; dabei wurde mir bewusst, dass ich plötzlich keine Verantwortung hatte, nicht einmal für mich selbst. Sonst gehe ich spät abends immer noch mit Stella den Gartenweg hinauf zu den Schafen, deren dunkle Umrisse in der Dämmerung zu sehen sind. Sie schlafen immer im Freien, auch im Winter; jetzt gehen sie nur tagsüber in den Stall, dort ist Schatten.

Die Gänse verhalten sich in Dunkeln ganz still. Sie registrieren alles, da bin ich sicher, denn eine hält immer Wache. Ob ihr kleiner geschlossener Unterstand den Angriffen eines Fuchses gewachsen wäre, weiß ich nicht. Aber ich habe immer alle Fenster geöffnet und hoffe, dass ich das Geschehen bemerken würde. Auf das alles brauchte ich im Krankenhaus nicht zu achten – nicht die Türen zu kontrollieren, das Hoftor abzuschließen, nichts… Aber nachdem ich mich drei Tage lang ausgeruht hatte (von was?), wurde es auch Zeit, wieder aktiv zu werden und  noch etwas von Berlin, dieser lebendigen Stadt, die ich so liebe, mitzubekommen.

Wie ich schon einige Male erwähnte, wohnen meine beiden Kinder mit ihren Familien am Prenzlauer Berg, dort herrscht ein besonderes Flair. Außerdem (oder gerade deswegen?) ist es der kinderreichste Bezirk Deutschlands (oder sogar Europas?). Mütter mit Kinderwagen, schwangere Frauen, Kinder jeden Alters füllen die Straßen (und, siehe oben, die Straßencafés).

Einen Nachmittag verbrachten wir auf dem Balkon von Stulles und Emmis Wohnung, den nächsten in Angelas und Hardys Schrebergarten, weil es dort kühler ist. Es wurde gegrillt und für die Kinder (es waren nur Hannah und Till dabei) hatten wir zwei kleine Planschbecken aufgestellt, ihr könnt euch vielleicht vorstellen, was das für ein Gekreische und Herumspritzen war!

Dann wurde ich doch wieder unruhig – Gumtow rief – .

Und als ich diesmal zurückkam, war alles in bester Ordnung, jetzt bleibe ich erst mal hier!

Wo ist es im Sommer schöner als hier??

Ich wünsche euch, dass ihr es auch so schön habt wie ich,

aber ich wünsche euch auch, dass ihr nicht allein seid.

Schlaft gut, eure Renate

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