Reisebericht Teil I – Ostwestfalen
Da bin ich wieder – und habe abwechslungsreiche 8 Tage hinter mir!
Zunächst einmal: meine Befürchtungen, die lange Strecke könnte mir Schwierigkeiten bereiten, waren unbegründet; ich bin gut und sicher gefahren, es gab keine einzige brenzlige Situation. Ich war auch sehr flott unterwegs, ich wollte mein Auto mal richtig marschieren lassen, immer nur die Kurzstrecken, das kann nicht gut sein. Ich habe dann auch mal von Gas auf Sprit umgeschaltet und bin eine Weile 180 gefahren, aber als ich merkte, dass die Tanknadel sich der Geschwindigkeit anpasste, habe ich es langsamer angehen lassen. Jetzt kann ich nur hoffen, dass im Nachspann meiner Reise keine teuren Fotos ankommen.
Die erste Station war Ostwestfalen, Anlass war ein runder Geburtstag meines dort lebenden Bruders.
Als ich am Ende der Fahrt im „Ravensberger Hügelland“ ankam, wurde mir plötzlich klar, dass es auch eine Reise in die Vergangenheit sein würde: in dieser Gegend sind Jens und ich zwar nicht geboren, aber aufgewachsen, und ich wusste, er wäre mit mir seine alten Wege gefahren, hätte mir die Häuser seiner Freunde gezeigt und mir von seinen Kindertagen erzählt. Ich schaffte es nicht, dort entlang zu fahren.
Das Hotel, in dem die Geburtstagsfeier stattfand, lag am Wiehengebirge, und ich hatte von meinem Zimmer aus einen ähnlichen Blick über das Land wie früher vom Haus meiner Schwiegereltern aus: eine sanft gewellte, sehr schöne und grüne Landschaft mit gepflegten Häusern und Vorgärten, in denen der Rhododendron üppig blühte. Was mir auch immer wieder auffällt, ist die unglaubliche Zersiedelung der Landschaft, man kann keinen Anfang und kein Ende der Dörfer erkennen, man schaut im Grunde auf eine riesige Gartenstadt. Von den ursprünglich typischen schwarz-weißen Fachwerkhäusern mit hohen Bäumen herum gibt es nicht mehr viele. Die Leute lassen ihre Häuser verklinkern, das passt überhaupt nicht in diese Gegend. Aber ein vertrautes Gefühl gibt sie mir immer noch.
Die Geburtstagsfeier war nett, ich habe meine Brüder mit ihren Frauen, einen Neffen sowie meine Cousine aus Paris und frühere Nachbarn getroffen. Es wurde gut gegessen, getrunken und viel erzählt.
Als der etwas förmlichere Teil des Geburtstages vorbei war, ging mein Bruder von Wein auf Bier und „Schluck“ über. Der Name deutet schon an, wie der Schnaps – meistens Wacholder oder Korn – getrunken wird. Ich habe mich früh genug gebremst, ich wollte keinen Brummschädel bekommen.
Bevor ich am anderen Morgen weiterfuhr, bin ich noch auf dem Friedhof am Grab meiner Eltern gewesen. Dabei war ich froh, dass der Eingang der großen Schnathorster Kirche im Hintergrund von hohen Bäumen verdeckt war – Konfirmation – Trauung – Angelas Taufe – Lauf des Lebens.
Ich glaube, dieser erste Teil der Reise war eher dazu geeignet, wehmütige Jugenderinnerungen wachzurufen. Ein fröhlicher Bericht ist es deshalb wohl leider nicht geworden. Darum zum Schluss die Erwähnung, dass dies die Gegend Wittekinds, des Herzogs der Sachsen, gewesen ist. Es geht die Legende, er habe, um den Häschern Karls des Großen zu entfliehen (die ihn christianisieren wollten, was letztlich auch geschehen ist), die Hufe seines Pferdes verkehrt herum beschlagen lassen, um die Verfolger in die falsche Richtung zu locken – armes Pferd, kann ich da nur sagen!
Ich hoffe, dass ihr solche oder andere Tricks nicht nötig habt!
Eure Renate