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Jahrestag

Liebe Freunde,

am 9. November 2009, dem 20. Jahrestag des Mauerfalls, hätte ich ja eigentlich nach Berlin fahren müssen, um die Feiern mitzuerleben. Ich wollte aber keinen Rummel, sondern lieber Besinnung und bin am Abend dieses Tages mit Freundin Antje aus Kyritz in die dortige Marienkirche gegangen, in der zu einer Andacht zur Erinnerung an die Demonstrationsabende, die vor 20 Jahren in dieser Kirche und auf dem Kyritzer Marktplatz stattfanden, eingeladen worden war. Die Kirche war ziemlich voll, es waren vor allem auch die Menschen da, die damals dabei gewesen sind, und sie haben ihre Erinnerungen und Gefühle geschildert.

Auf der Einladung standen als Einleitung Worte Horst Sindermanns (mir unbekannte einstige SED-Größe):

„Wir hatten alles geplant. Wir waren auf alles vorbereitet. Nur nicht auf Kerzen und Gebete.“

Es wurden Fotos von den damaligen Versammlungen gezeigt,  die mich sehr beeindruckt haben. Die Menschen wussten ja zu jener Zeit nicht, wie die Sache ausgeht, sie hätten durchaus mit späteren Repressalien rechnen können.

Ansonsten werde ich in der nächsten Zeit nicht viel von mir hören lassen, ich bin augenblicklich – jahreszeitlich und erinnerungsmäßig belastet – nicht so gut drauf, das muss ich ja nicht bei euch auslassen.

Ich hoffe, dass es euch besser geht, bis demnächst, eure Renate

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Halloween

Guten Tag, meine Lieben!

An einem der letzten Wochenenden feierte meine Freundin Gertrud aus Bad Salzuflen ihren Geburtstag bei mir in Gumtow. Es war der 31. Oktober, also Reformationstag – auf neudeutsch Halloween. An diesem Abend ziehen auch in Gumtow verkleidete Kinder durch die Straßen, klingeln, sagen „Gib uns Süßes, sonst gibt´s Saures“ (sehr geistreich) und bekommen Süßigkeiten. Ich hatte mir eine Tüte voller Bonbons zurechtgelegt und ging hinaus, wenn es klingelte. Dabei hatte ich im Dunkeln nicht gesehen, dass Stella mit hinaus-, aber nicht wieder mit hineingekommen war. Plötzlich ging das Telefon: “Renate, dein Hund sitzt vor dem Tor!“ Da saß sie tatsächlich und grämte sich, sie bellt ja nicht wie andere Hunde, um sich bemerkbar zu machen. Sie schmiss sich in ihren Korb und sah mich vorwurfsvoll an – wie konnte ich sie vor dem Tor vergessen! Das Telefon ging nochmal: „Dein Hund ist draußen, hoffentlich läuft er nicht vor ein Auto!“  „Danke, sehr lieb“, entgegnete ich, „ist schon erledigt.“ Bei der Lautstärke im Haus – wegen der Feierei – hörte ich manchmal das Klingeln nicht, aber als ich wieder hinausmusste, fragten die Kinder: “Ist Stella wieder da?“

Ihr seht, man hat ein Auge auf mich (bzw. auf meinen Hund), das ist sehr beruhigend, finde ich.

Ich hoffe, dass es auch in eurem Leben Menschen gibt, die auf euch achten – macht´s gut, eure Renate

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Honeckers Erben

Hallo, liebe Freunde!

 

Da ist es also passiert: Brandenburg bekommt eine rot-rote Regierung! Mit großer Fassungslosigkeit muss ich zur Kenntnis nehmen, dass die in Brandenburg bei der Wende von Bürgerrechtlern wieder gegründete SPD 20 Jahre später mit der Nachfolgepartei der SED ein Regierungsbündnis eingeht. In Zeitungskommentaren ist von „Verrat an der friedlichen Revolution“ die Rede, meine Empfindungen sind ähnlicher Art.

 

Täglich sieht man jetzt im Fernsehen die Bilder aus der Zeit des Mauerfalls, das damals empfundene Glück wird wieder gegenwärtig – und gleichzeitig ziehen „Honeckers Erben“ in die brandenburgische Regierung ein…

Ich bin sicher, dass wir 1994 nicht nach Brandenburg gekommen wären, wäre das voraussehbar gewesen.

Ich habe doch noch sehr gut in Erinnerung, wie es damals in Ostberlin aussah, in genau jener Straße, in der jetzt Stulle wohnt – man traute sich nicht, unter den Balkonen entlang zu gehen, aus Angst, sie könnten herunterstürzen, in den Häusern regnete es durch, alles war grau und trist und roch nach Schwefel… Wie die Dörfer aussahen, was die Nachbarn und Freunde aus Gumtow uns erzählt haben über die Zeit der Mangelwirtschaft und Gängelei – ich kann wirklich nicht fassen, wie vergesslich die Menschen sind, und dass sie immer noch schönen Worten und Versprechungen glauben und wieder die Kommunisten wählen…

 

Sie haben ihren Namen zweimal geändert, aber selbst wenn ich mich Elisabeth nennen würde, wäre ich längst noch keine Heilige!

 

Trost gibt´s leider nicht – eure erschütterte Renate

 

 

Kommentare (1):

Pantoffelhelden

Hallo, meine lieben Freunde!

 

Ich habe euch ja schon mal berichtet, dass es hier im Osten morgens früher hell und abends eher dunkel wird als im Westen. Das hat zur Folge, dass sich ganze Tagesabläufe und Gewohnheiten zeitiger in den Vormittag verlagern.

Die Besuchszeit bei Geburtstagen oder Jubiläen ist doch eigentlich 11 Uhr, aber hier in Brandenburg geht das schon um 10 los. Hier sagt man auch schon um 11 Uhr „Guten Tag“ (sprich: „Tach-chen“) und nicht erst um 12. Ihr seht, so eine bedauernswerte Westfrau muss viel lernen.

 

Weiter muss ich mal wieder ein Loblied auf meine Brandenburger singen: Wenn sie ein Haus betreten, ziehen sie auf der Stelle ihre Schuhe aus. Ich weiß, dass das früher auch in Westfalen üblich war, aber seitdem alles versiegelt und zugepflastert ist, ist diese alte Höflichkeit den Hausfrauen gegenüber in Vergessenheit geraten. Die Brandenburger ziehen ganz automatisch, ohne nachzudenken, ihre Schuhe aus. Bei dem Sandboden hier ist das angebracht, sonst knirscht es ganz schnell im Haus!

Es gibt aber auch in jedem Haus Hausschuhe (Puschen, Schlappen, Schluffen ..) für Gäste. Und in meinem Flur sieht es bei Besuchen aus wie in einem Schuhladen, so viele Paare ausgezogener Schuhe stehen dann ´rum.

 

Ich habe mich so sehr daran gewöhnt, dass ich bei meinem letzten Besuch in Elspe meinen Freund Gerald, der aus dem Wald (!) kam und sein frisch gewischtes Haus betreten wollte, laut zugerufen habe: „Halt, Schuhe ausziehen!“ Er war sehr erstaunt und hat sich wahrscheinlich gedacht, was geht das die Alte an, wie ich mein Haus betrete, aber er hat sich die Schuhe ausgezogen und beließ es beim Kopfschütteln.

Haltet also Hausschuhe bereit, das spart Arbeit!

In diesem Sinne alles Liebe, eure Renate

 

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Geburtstagsparty

Hallo, meine Lieben!

Ich wollte euch von Angelas Geburtstagsfeier berichten:

Es war eine tolle Party! Sie hatte einen Raum angemietet, in dem sich die ca. 40 Gäste munter tummelten – es gab eine Theke, einen DJ, etwas zu essen und viel zu trinken…

Man konnte sich Musikstücke wünschen, die der DJ aber nicht unbedingt gespielt hat – ich hatte mir „Forever Young“ und „Ring of Fire“ gewünscht – letzteres hat er allerdings erst gespielt, als ich schon weg war, wurde mir erzählt.

Ich hatte mich darauf gefreut, möglichst viele von Angelas alten Freundinnen und Freunden wiederzutreffen, es hat mich immer interessiert, wie ihr Leben sich entwickelt hat; besonders berührt waren wir alle über den Besuch ihres allerersten Freundes aus Lüdenscheid, nur leider ist er sehr krank – durch einen ärztlichen Kunstfehler -, das war kein gutes Thema für mich und es war natürlich auch ein Schock, gefragt zu werden: …“wo ist denn Ihr Mann?“…

Trotzdem war ich sehr „gut drauf“ an diesem Abend und wäre gern noch länger geblieben, aber um eins bin ich zurück in Stulles Wohnung, um die Babysitterin abzulösen, die bei Hannah wachte (stimmt nicht, sie war auf dem Sofa eingeschlafen) – als Oma muss man Opfer bringen…

Alles in allem war das mal wieder ein tolles Wochenende in Berlin.

Bis bald, eure Renate

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Erntezeit

Liebe Freunde,

die Obsternte haben wir während des Monats September erledigt: Mit Paulis Hilfe wurden ca. 10 Zentner Birnen und Äpfel gepflückt, die wir in 3 Touren nach Kyritz zur Mosterei brachten. 120 Flaschen Saft habe ich schon mit nach hier genommen, ca. 600 Flaschen – dazu zählt auch ein Restbestand aus den vergangenen Jahren – kann ich in den nächsten Monaten noch holen – das wird wohl für die Berliner Kinder und Enkel reichen??

Wir haben auch schon Körbeweise Walnüsse aufgesammelt, es liegen aber noch große Mengen Nüsse unter dem Baum.

Zum Herbst gehört es leider auch, dass meine wunderschönen Gänse demnächst geschlachtet werden müssen, ich mag gar nicht daran denken; es fällt so schwer, wenn man sie mit Mühe und Fürsorge großgezogen hat. Eine Sportkameradin aus einem Nachbarort wird diese Arbeit für mich erledigen, ich kann das nicht.

Des weiteren lasse ich zur Zeit den alten baufälligen Holzstall neu errichten, die Fundamente wurden schon gegossen. Freundin Antje aus Kyritz meinte, ich würde ja genau so weitermachen wie Jens früher, aber dies ist garantiert die letzte Baumaßnahme hier…

Lasst es euch gut gehen! Eure Renate

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Ein besonderer Tag

Hallo Ihr Lieben,

heute Abend habe ich wie immer vor dem Schlafengehen Stella noch einmal in den Garten gelassen und von der Terrasse aus den Sternenhimmel angeschaut: ein unglaubliches Sternenmeer über mir, die Milchstraße ganz deutlich, der große Wagen und die hell leuchtenden großen Sterne, deren Bezeichnung ich kaum kenne – da lebt man schon so lange auf dieser Erde und weiß nicht einmal ihre Namen…

Die Wildgänse ziehen jetzt wieder nach Süden, am Tage und auch nachts hört man ihre Rufe … aber nicht nur deswegen bin ich heute Abend ein wenig wehmütig:

„In einem Land vor dieser Zeit“ habe ich vor vielen Jahren unser erstes Kind, Angela, zur Welt gebracht, ein gesundes kleines Mädchen, nun selbst schon Mutter….

Aber ihr wisst ja – immer nach vorne schauen:

Am Wochenende gibt es eine große Feier in Berlin. Angela  hat ganz viele Freunde von früher eingeladen, die ich natürlich auch kenne, ich freue mich schon sehr, sie alle zu treffen.

Ich werde euch berichten! Macht´s gut, Renate

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Mein Freund Werner

Da bin ich wieder!

Heute möchte ich mal mein Navigationsgerät loben, das mir auf meinen Fahrten ein treuer Wegweiser ist. Ich habe ja schon erwähnt, dass mein Orientierungssinn gleich null ist, deshalb stelle ich es bei allen weiteren Fahrten oder in Städten, in denen ich eine Straße suchen muss, an.

Vor ein paar Wochen hatte ich mein Gerät an Hardy und Angela für ihre „Deutschlandtour“ ausgeliehen. Hardy hat mir dann anstelle der Standard-Männerstimme die Stimme von Werner – das ist der mit dem „Bölkstoff“ – aufgespielt.

Der liebe Werner begleitet mich nun überall hin und sagt mir den Weg in seinem norddeutschen Dialekt an, z.B. „Nun bieg mal liebers links ab“ (hört sich ungefähr so an: „Nun biech maol liebers links aff“) oder „da, wo denn nich mehr weitergeht, bieg mal liebers rechts ab und denn eier aber nicht so rum“.  Am schönsten ist es aber, wenn ich angekommen bin und er sagt: „Wir sind da, mein Herz“ – ist das nicht süß?

Man muss natürlich trotzdem die Route einigermaßen im Kopf haben, weil kein Navi ohne Fehlerquote ist. Manchmal sind ihm Straßen nicht bekannt oder bei der Angabe der einzuschlagenden Richtung wird anstatt Bundesstraße 19  nun 89 angegeben oder so etwas.

Aber eine gut Fahrerin macht Werner aus mir doch nicht. Gestern war ich in Perleberg; als ich zum Parkplatz zurückkam, war mein Auto total eingekeilt und ich traute mir nicht zu, mit meiner langen Kiste auszuparken. Gott sei Dank kam eine junge Frau vorbei, die mich „ausgewiesen“ hat. Da kam ich doch sehr ins Grübeln.

Aber die Krönung habe ich mir heute morgen geleistet: ich habe Stella in den Kofferraum gelassen, aber die Klappe nicht geschlossen (beginnende Demenz??) und bin dann mit hochstehender Klappe (ist ein Kombi) voll gegen das Oberteil des Scheunentores gebrettert. Schaden groß, Kommentar überflüssig.

Ich hoffe, dass ihr nicht so schusselig seid wie eure Renate

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Telefonieren will gelernt sein

Guten Abend, liebe Freunde!

Heute muss ich mich mal über eine Unsitte beschweren, die besonders hier im Osten herrscht (hat vermutlich auch im Westen schon um sich gegriffen): Warum meldet sich niemand bei Anrufen korrekt – wie das in Deutschland üblich ist – mit seinem Namen?? Warum hört man nur noch ein gehauchtes „Hallo..“ oder „Ja?“, bestenfalls noch „Ja bitte?“ ?? Ist es so schlimm, seinen Namen zu sagen?? Natürlich ist es so, dass man viele Nummern gespeichert hat und also erwarten kann, die angewählte Person zu erreichen. Aber manchmal wählt man auch noch von Hand und wenn dann das leise mürrische „Hallo…“ ertönt, kann es passieren, dass man wildfremden Menschen alles mögliche erzählt, bis man rauskriegt, dass man sich verwählt hat. Man kann sich doch ganz einfach mit seinem Namen melden, der ist doch oft sogar kürzer (wenn man nicht gerade Leutheuser-Schnarrenberger heißt). Spitze sind besonders diejenigen, die ihr „Ja bitte?“ in dem Tonfall von „Wer stört?“ herausbringen.

Für andere beibehaltene alte Sitten muss ich aber meine lieben ostdeutschen Landsleute loben: Sie geben sich noch die Hand, immer und überall, das finde ich gut, diese Geste hat schließlich ihre Bedeutung. Das Händeschütteln wird aber auch bei großen Feiern exerziert.  Da ist es gut, früh zu erscheinen, weil man sonst dreißig bis fünfzig Leuten hintereinander die Hände schütteln muss…

Und sie sind pünktlich, superpünktlich. Das Späterkommen im Rahmen des sog. „Akademischen Viertels“, welches im Westen schon an der Tagesordnung ist, wird hier eher umgekehrt gehandhabt, man kommt lieber früher: „Fünf Minuten vor der Zeit ist des Preußen Pünktlichkeit“ – schön, nicht wahr?

Macht`s gut, Leute, schlaft gut, eure Renate

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Lüneburger Heide

Hallo liebe Freunde, ich habe ein paar sehr schöne Tage mit Lydia und Gerald in der Lüneburger Heide hinter mir! Das milde sonnige Herbstwetter und die schöne Landschaft waren ein würdiger Rahmen für Lydias Geburtstagsfeier. Wir haben eine Kutschfahrt Richtung Wilseder Berg gemacht und die schöne kleine Stadt Celle mit ihren alten Fachwerkhäusern und die Hengstparade im dortigen niedersächsischen Landgestüt besucht (ich muss dazu bemerken, dass sich die Hengstparade in Neustadt/Dosse, die ich schon ein paar mal besucht habe, nicht hinter der Celleschen verstecken muss).

Als feierliches Geburtstagsessen hatte ich mir Heidschnuckenbraten ausgewählt, um zu überprüfen, ob der Kutscher recht hatte, der uns erzählte, dass Heidschnucke wie Wild und nicht wie Schaf schmecke – stimmt nicht, schmeckt wie Schaf, was ich aber mag.

Ich habe immer verlangend auf die Dächer der großen Bauernhäuser geschaut: am First sind in Niedersachsen die gekreuzten Pferdeköpfe aus Holz angebracht – ich möchte so gern auch welche für meine Scheune haben – aber woher bekommen, ich kann sie doch nicht von den Dächern klauen…?

Wir konnten die Zimmer dann nicht länger buchen und Lydia und Gerald sind noch ein paar Tage mit nach Gumtow gekommen. Wir haben Ausflüge gemacht, u.a. nach Havelberg, und haben an einem Abend auch Sonja und Bernhard besucht.  Nun sind Lydia und Gerald abgereist,  und ich muss mich wieder verstärkt um meine Angelegenheiten hier kümmern. Es war eine schöne Zeit, aber es kann nicht alle Tage Sonntag sein.

Macht´s gut, bis bald, eure Renate

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Pleiten, Pech und Pannen

Hallo, meine lieben Freunde!

 Ich bilde mir nicht ein, dass ihr meine Berichte vermisst habt, aber vielleicht ist doch einigen von euch aufgefallen, dass nichts mehr kam – bei meinem Computer hat sich der größtmögliche GAU ereignet – irreparabler Schaden an der Festplatte – aus, Ende, vorbei -, von der Außenwelt abgeschnitten sozusagen.  Zum Glück verbrachten Angela und Hardy mit Till (Dita und Ben waren bei ihrem Vater Ulf in Zürich) eine Woche ihres Urlaubs bei mir, so dass Hardy sich um den Schaden kümmern konnte (armer Kerl, hätte wahrscheinlich lieber in der Sonne gelegen). Der Computer musste zur Reparatur nach Kyritz, die meisten Daten der Festplatte konnten gesichert  werden, aber alle e-mails sind weg. Die erste Reparatur ging schief, ich war sauer, soviel Geld und immer noch kaputt. Aber jetzt läuft´s  wieder, sieht aber alles anders aus, ich muss mich umgewöhnen, das ist doch nicht mehr so einfach in meinen Jahren …

 Nächster Fall: Ich hatte mir im letzten Jahr einen neuen Sonnenschirm geleistet, der wunderschön auf der Terrasse aussah, den ich aber leider schon zweimal zur Reparatur bringen musste – nun war er schon wieder defekt, ging nicht zu und ging nicht auf – jetzt war das Fass voll, zurückgeben und Geld wiederhaben, aber das war nicht so einfach:  ich harmoniesüchtiger Mensch musste die Ellenbogen ausfahren wie früher im Beruf; es geht noch, kostet mich aber viel Kraft und gefällt mir nicht mehr. Doch ich musste einsehen, dass ich anders nicht zu meinem Recht gekommen wäre.

 

Es geht noch weiter: ebenfalls im letzten Jahr hatte ich mir ein Navigationsgerät gekauft und wollte es jetzt aktualisieren. „Garantieanspruch auf Aktualisierung des Kartenmaterials ist abgelaufen“, sagte der Computer. Kann nicht sein, ich habe das Gerät noch kein Jahr. Auch da muss ich wieder am Ball bleiben, anrufen, schreiben usw., es ist so ermüdend.

Reicht aber noch nicht: meine Mieter haben gekündigt und ich muss versuchen, vernünftige Nachmieter zu finden. Da sie mit mir auf einem Hof (aber in einem anderen Haus) leben, muss ich vertrauenswürdige Menschen finden, mit denen es sich gut auskommen lässt. Das ist jetzt erst mal das Wichtigste für die nächste Zeit – drückt mir die Daumen!

 Ich hoffe, bald bessere Nachrichten für euch zu haben!

Macht´s gut, eure Renate

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Sommerzeit – Besuchszeit

Meine Lieben,

es ist Ferienzeit, und es hat sich viel Freundes- und Familienbesuch angekündigt, das werden abwechslungsreiche Wochen! Zunächst aber bin ich zum Friseur und sagte meiner Friseurin (Friseuse sagt man nicht mehr), sie könne bei der Hitze ruhig ein wenig mehr abschneiden; was sie mir aber für einen Sommerschnitt verpasst hat, habe ich erst zuhause gesehen: ich sehe jetzt eher spitzbübisch als großmütterlich aus! Gut, dass meine Haare schnell wachsen!

Auf dem Rückweg geriet ich in ein gewaltiges Gewitter. In Gumtow ist nur sehr starker Regen niedergegangen, aber Kyritz hat es voll erwischt. Im Radio wurde am anderen Morgen verkündet, dass dort 100 Bäume umgestürzt seien.

Dann kam der erste Besuch: gute alte Freunde aus Jugendzeiten vom Niederrhein. Wir haben den ganzen Abend und am anderen Morgen erzählt, in Erinnerungen gekramt und über Gott und die Welt geredet. Man kann sich doch glücklich schätzen, wenn sich Freundschaften über Jahrzehnte halten und bewähren. Man verfolgt den Lebensweg der Freunde und ihrer Partner, so wie auch sie unseren Lebensweg kennen, uns aufmuntern und Anteil nehmen. Wenn sie dann weiter müssen, ist man traurig, dass sie fahren und doch froh, sie zu haben.

Heute Abend geht es mit Familie weiter, ich glaube, wochenlang… Ich denke, ich werde längere Zeit nicht zum Schreiben kommen, höchstens mal für einen Kurzbericht, genießt derweil den schönen Sommer!

Wünscht mir Gelassenheit!

Dasselbe wünsche ich euch, eure Renate

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Ruhm

Meine Lieben,

während meines Krankenhausaufenthaltes in der letzten Woche habe ich den Roman „Ruhm“ von Daniel Kehlmann gelesen. Vor ca. 2 Jahren hat mich sein Buch „Die Vermessung der Welt“ geradezu begeistert, und ich war gespannt  auf dieses neue Werk – welch ein Unterschied!

Ich hatte vor einiger Zeit schon mal angefangen, es zu lesen, war aber nur ein, zwei Kapitel weit gekommen und fing nun noch mal von vorne an. Es ist ein Buch, das man am besten ganz schnell hintereinander weg liest, sonst behält man die Zusammenhänge nicht: jedes Kapitel handelt von einer anderen Person, aber alle sind irgendwie miteinander verbunden, es ist geradezu verwirrend und man muss aufmerksam bei der Sache sein.  Die Geschichten sind kurzweilig zu lesen, besonders lustig ist die Erzählung über den Internet-Freak, die ganz in der Sprache der Internet-Süchtigen geschrieben ist. Alle Geschichten lassen einen überlegen, ob sie sich in Wirklichkeit so zutragen könnten: Kann ein Schauspieler aus seinem Leben gedrängt werden, weil ein Imitator ihn so überzeugend nachahmt, dass selbst alte Getreue den Imitator für das Original halten? Kann eine Krimi-Autorin in Usbekistan oder irgendwo „dort hinten“ verloren gehen, weil sie von ihrer Reisegruppe getrennt wird, sich in der Landessprache nicht verständigen kann und zudem ihr Reisepass abgelaufen ist? Diese Geschichte hat mich geradezu geängstigt.

Auf jeden Fall ist Daniel Kehlmann sehr vielseitig!

Ich kann auch dieses neue ungewöhnliche Buch nur empfehlen!

Jetzt empfehle ich mich erst mal selber!

Macht´s gut, eure Renate

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Heißes Pflaster Berlin

Hallo Freunde, es geht weiter!

Wie schon angedeutet, war ich letzte Woche in Berlin (im Juni war ich nur wenige Tage in Gumtow, der Garten sieht dementsprechend aus). Es war gutes Wetter und dann könnte man glauben, dass sich alle Berliner nur in den Straßencafés und Kneipen aufhalten. Sobald die Temperatur über 5° steigt, sitzen sie auf den Bürgersteigen, trinken Kaffee jeder Sorte und reden, reden, reden… und in diesen Tagen war die Temperatur eher bei 30°…

Insgesamt geht es sehr locker zu, man wird nicht neugierig beäugt, man kann sich kleiden wie man möchte – und viele bringen aus ihren Kleiderschränken unglaubliche Kombinationen zum Vorschein; es ist nie langweilig in Berlin, da gibt es viel zu sehen und alles wird toleriert …

Ich war zu einer Generalüberholung im Krankenhaus und wurde dort sehr verwöhnt. Es ist ein ganz altes, liebevoll saniertes Haus und ich lag am Ende eines langen Ganges in einem Einzelzimmer wie Schneewittchen hinter den sieben Bergen.

Morgens ging es los mit dem Fieberthermometer, das ist immer so, dann kam das Frühstück mit der Morgenzeitung, freundliche Nachfrage wie es geht, dann musste ich auf Wanderschaft durchs Haus, mal zum Blut abnehmen, mal zum EKG, zum Ultraschall usw. Das einzige Problem, was ich hatte, war, mich in dem großen Gebäude zurecht zu finden; mein Orientierungssinn ist gleich null.

Es war, wie schon gesagt, in diesen Tagen sehr heiß, auch die Nächte wurden nicht erträglicher. Ich hatte das Fenster weit geöffnet und lauschte den Geräuschen der Stadt; dabei wurde mir bewusst, dass ich plötzlich keine Verantwortung hatte, nicht einmal für mich selbst. Sonst gehe ich spät abends immer noch mit Stella den Gartenweg hinauf zu den Schafen, deren dunkle Umrisse in der Dämmerung zu sehen sind. Sie schlafen immer im Freien, auch im Winter; jetzt gehen sie nur tagsüber in den Stall, dort ist Schatten.

Die Gänse verhalten sich in Dunkeln ganz still. Sie registrieren alles, da bin ich sicher, denn eine hält immer Wache. Ob ihr kleiner geschlossener Unterstand den Angriffen eines Fuchses gewachsen wäre, weiß ich nicht. Aber ich habe immer alle Fenster geöffnet und hoffe, dass ich das Geschehen bemerken würde. Auf das alles brauchte ich im Krankenhaus nicht zu achten – nicht die Türen zu kontrollieren, das Hoftor abzuschließen, nichts… Aber nachdem ich mich drei Tage lang ausgeruht hatte (von was?), wurde es auch Zeit, wieder aktiv zu werden und  noch etwas von Berlin, dieser lebendigen Stadt, die ich so liebe, mitzubekommen.

Wie ich schon einige Male erwähnte, wohnen meine beiden Kinder mit ihren Familien am Prenzlauer Berg, dort herrscht ein besonderes Flair. Außerdem (oder gerade deswegen?) ist es der kinderreichste Bezirk Deutschlands (oder sogar Europas?). Mütter mit Kinderwagen, schwangere Frauen, Kinder jeden Alters füllen die Straßen (und, siehe oben, die Straßencafés).

Einen Nachmittag verbrachten wir auf dem Balkon von Stulles und Emmis Wohnung, den nächsten in Angelas und Hardys Schrebergarten, weil es dort kühler ist. Es wurde gegrillt und für die Kinder (es waren nur Hannah und Till dabei) hatten wir zwei kleine Planschbecken aufgestellt, ihr könnt euch vielleicht vorstellen, was das für ein Gekreische und Herumspritzen war!

Dann wurde ich doch wieder unruhig – Gumtow rief – .

Und als ich diesmal zurückkam, war alles in bester Ordnung, jetzt bleibe ich erst mal hier!

Wo ist es im Sommer schöner als hier??

Ich wünsche euch, dass ihr es auch so schön habt wie ich,

aber ich wünsche euch auch, dass ihr nicht allein seid.

Schlaft gut, eure Renate

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Frankreich, Frankreich

Hallo liebe Freunde,

bonjour, ich bin wohlbehalten von meiner Urlaubsreise nach Frankreich zurück! Es war eine Bus-Gruppenreise, die am 10. Juni morgens um 6 Uhr am Berliner Ostbahnhof begann, was einige logistische Überlegungen erforderte.

Die erste Station war Aachen, eine Stadt, die ich sehr liebe, obwohl oder gerade weil ich nur den Altstadtring mit dem Dom (und den schönen Geschäften) kenne; den Thron und das Grabmal Karls des Großen konnten wir leider nicht besichtigen, in der Kirche war ein Gottesdienst; gut, dass ich das alles schon kannte.

Am nächsten Tag ging es weiter in die Normandie, Station war die Stadt Rouen, die auch eine gewaltige Kathedrale hat; hier wurde die Jungfrau von Orleans verbrannt.

Die anschließende Fahrt durch die Normandie bis zur Küste war sehr schön. Die Landschaft ist durch und durch grün, es soll hier sehr viel regnen (in dieser Beziehung hatten wir  Glück). Die Feldmark machte einen sehr gepflegten Eindruck, überall wurde sie von Hecken und kleinen Wäldchen durchzogen, grundsätzlich Laubbäume. (Hier in Brandenburg sollte man sich mal ein Beispiel daran nehmen, es gibt hier zusammenhängende Ackerflächen von 20 ha ohne Baum und Strauch dazwischen, der Wind fegt viel zu viel Boden weg – in Schleswig-Holstein z.B. hat man die Knicks, um das zu vermeiden.) Die Bauernhäuser in der Normandie und der Bretagne sind aus grauen Steinen; wir haben eine Ziegenkäserei besichtigt und der Bauer machte uns darauf aufmerksam, dass sein Wohnhaus aus Feuersteinen gemauert war, Tatsache!

Einen längeren Aufenthalt an der Küste in Frecamp oder Etretat könnte ich mir durchaus gut vorstellen.

Dann ging´s zur Cote Fleurie – Blütenküste – mit dem nostalgischen Honfleur und den schönen modernen Badeorten Trouville und  Deauville.

Nächste Station war Saint Malo mit Halt in Caen, wo eine riesige normannische Burg Wilhelm des Eroberers steht.

Ein Höhepunkt der Reise war aber zweifellos der Mont–Saint-Michel: auf einem Felsen im Meer liegt eine riesige Klosteranlage, bei Ebbe kann man fußläufig hin, bei Flut liegt der Felsen im Meer. Das ist ein ähnlich unglaublicher Anblick wie der schiefe Turm von Pisa: wenn man aus einer Gasse der Stadt tritt, liegt plötzlich der Domplatz vor einem mit diesem unfassbar schiefen Turm – „das kann doch gar nicht sein,“ sagte damals Freund Gerald, als wir zum ersten mal in Pisa waren, und so einen ähnlichen Gedanken hatte ich jetzt.

Der nächste Höhepunkt folgte gleich am anderen Tag: die Fahrt von Saint Malo aus mit einer Fähre zur englischen Kanalinsel Jersey. Ein älterer deutscher Reiseleiter, der dort lebt, machte uns auf launige Art mit den Besonderheiten der Insel bekannt: sie untersteht direkt der britischen Krone und hat eigenes Geld, ich habe mir ein Jersey-Pfund zur Erinnerung behalten. Im Krieg wurde Jersey ohne Gegenwehr den Deutschen überlassen, die dort gewaltige Bunkeranlagen als Teil des Atlantikwalls bauten. Sie waren lt. Reiseleiter gut gelitten, wo hört man das schon.

Am nächsten Tag begann die Rückfahrt mit einer Station in Reims; wieder gewaltige Kathedrale. In Reims wird eine Straßenbahn gebaut, weil man wegen der unterirdischen Gewölbe der Champagnerkellerei Mumm keine zeitgemäßere U-Bahn bauen kann!

Der Rest der Rückfahrt von Reims bis Berlin war lang und anstrengend, das lässt sich denken.

Die Reisegruppe war im übrigen ganz nett, viele Ehepaare mittleren Alters und ein paar Einzelpersonen wie ich. Ich hatte das Glück, im Bus bei drei jüngeren Berlinern zu sitzen, die ganz gut drauf waren. Die meiste Zeit verbrachte ich aber mit einer älteren ehemaligen Zahnärztin aus Müggelheim, mit der ich mich sehr gut verstand.

Ja, das war mein Frankreich-Urlaub in komprimierter Form.

Dass ich bei meiner Rückkehr nach Gumtow nicht alles gut vorfand, erzähl´ ich  euch in ein paar Tagen.

Fazit: Fahrt ruhig mal nach Frankreich!

Au revoir, eure Renate

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Reisebericht III – Sauerland

Reisebericht III – Sauerland

Es geht noch weiter!

Nachdem ich drei Tage bei Gertrud und Friedhelm war (gegessen, getrunken, gefaulenzt), musste ich weiter zum Klassentreffen. Es war eigentlich ein Klassentreffen von Jens` Ingenieurschule, aber ich sollte unbedingt kommen, ebenso die Witwe des Klassensprechers, der im vergangenen Herbst plötzlich verstorben ist. Die Jungs treffen sich seit 35 (!!) Jahren jedes Jahr, Tatsache, ohne Unterbrechung und immer mit ihren Frauen und in diesem Jahr fand es in Meschede statt, das liegt auf meinem Weg nach Elspe, unserem früheren Wohnort. Es war sehr schön, sie alle wieder zu sehen, aber ein bisschen mulmig war mir auch.

Beim Abendessen wurde viel erzählt von der gemeinsamen Zeit in Clausthal-Zellerfeld, einer bemerkte sogar, dass es die schönste Zeit seines Lebens gewesen sei. Nachdem einige Bergmannsschnäpse getrunken worden waren, wurde auch gesungen, das habe ich immer besonders gern.

Mein Lieblingslied ist „Wir sind die Diener der Erde…“, aber das wurde an diesem Abend nicht gesungen, denn schon beim Steigerlied („Glückauf, glückauf…“) hatte die Frau des ehem. Klassensprechers sehr zu kämpfen.

Es war ein schönes Zusammentreffen; einziger Wermutstropfen war, dass ich 20,– Euro (in Worten: zwanzig !) Einzelzimmerzuschlag zahlen musste, so wird man doppelt bestraft – Sauerlandpreise !

Zimmer mit Doppelbelegung sind in jeder Hinsicht besser!

Macht´s gut! Eure Renate

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Reisebericht IV – Elspe

Meine Lieben, es geht immer noch weiter!

Von Meschede aus fuhr ich – immer noch mürrisch wegen der teuren Übernachtung – zu meinen Freunden Lydia und Gerald nach Elspe; in diesem 1000-jährigen Dorf haben wir 30 Jahre lang gewohnt, die besten Jahre unseres Lebens sozusagen, aber mir scheint, dass das auch schon 1000 Jahre her ist, es ist soviel passiert seither. Gumtow und Elspe haben etwas gemeinsam: beide Dörfer (Elspe ist zehnmal so groß wie Gumtow) werden von einer Bundesstraße zerschnitten, Elspe von der B 55, Gumtow von der 5. In der Ortsdurchfahrt Elspe wurde heftig gebuddelt, 2 Ampeln. Überhaupt diese Bundesstraßen:

In Salzuflen war es die 239, ein Wahnsinnsverkehr, LKW an LKW, ich glaube, es sind alles Mautflüchtlinge, die die Bundesstraßen derartig belasten.

Aber ich wollte doch noch etwas mehr vom Sauerland erzählen: die mir ehemals vertraute Landschaft hat sich durch die Folgen des Wirbelsturms Kyrill im Februar 2006 stark verändert, überall kahle Berghänge, wo früher Fichtenwälder standen. Leider werden wieder überwiegend Fichten aufgeforstet, schade, Gegenden mit Laubwäldern (z.B. Ostwestfalen-Lippe) erscheinen viel freundlicher und heller.

Auch hier wurde ich wieder verwöhnt. In Elspe fällt mir immer der hohe allgemeine Wohlstand auf, den  Sauerländern geht es einfach gut, man merkt das auch an ihrer Lockerheit. Ich würde sagen, hier herrscht die Leichtigkeit des Seins…

Nachmachen, jedenfalls versuchen! Eure Renate

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Reisebericht II – Lippe

Reisebericht Teil II – Lippe

Ihr Lieben,

am Morgen nach der Geburtstagsfeier meines Bruders fuhr ich weiter zu meinen Freunden Gertrud und Friedhelm, die auf einem alten „Meierhof“ in der Nähe von Bad Salzuflen leben (schaut mal bei Wikipedia nach, ob die wissen, was „Meierhof“ bedeutet, sonst muss ich es euch erklären).

Wir haben an einem Tag einen Ausflug zum Hermanns-Denkmal gemacht, in diesem Jahr jährt sich die Varusschlacht doch zum 2000.sten Mal, der gute Hermann und alles rundherum war entsprechend aufgefrischt worden.

Dabei fiel mir ein, das die Familie meines Vaters aus dieser Gegend stammt. „Wisst ihr, wo Wülferheide liegt?“, fragte ich meine Freunde, „dorther stammt doch meine Großmutter, eine geborene Sander.“  Es war gar nicht weit weg, und so fuhren wir hin. Ich wusste keine Straße, konnte mich nur an ein Fachwerkhaus mit einem großen Baum davor erinnern, als Kind war ich mal dort. Wir fragten einen älteren Mann vor einem Bauernhaus und – o Wunder – er sagte: „Der Sanderhof – da hinten das weiße Haus!“

Leider war niemand da; es war auch nicht mehr das alte Fachwerkhaus, sondern ein neueres Gebäude, rundherum alles sehr gepflegt. Aber an der Seite des Hauses hatte man die Eichenbalken, die über der Dielentür des alten Fachwerkhauses gewesen waren, angebracht: „Am .. 1880 haben Friedrich Sander und Johanne Kampmann dieses Haus aufgerichtet.“ Diese beiden Namen sind als Eltern meiner Großmutter im Familienbuch eingetragen. Dann folgt noch der Spruch, der an vielen alten Bauernhäusern eingeschnitzt war: „Wer Gott vertraut, hat wohl gebaut im Himmel und auf Erden.“

Ich habe einen Zettel mit meinem (Geburts)-Namen und meiner Telefonnummer durch den Briefkasten geworfen und um Anruf gebeten, mal sehen. Ich erzähl´s euch dann.

Lasst es euch gut gehen! Eure Renate

P.S. Ein paar Tage nach meiner Rückkehr hat der jetzige Besitzer des Hofes, Herr Scherfeld,  tatsächlich angerufen! Es gibt keine Sanders mehr, der letzte männliche ist gefallen, seine Schwester hat Herrn Scherfeld geheiratet, die Ehe blieb kinderlos. Herr Scherfeld ist schon ein älterer Herr, ich fand es sehr nett, dass er zurückgerufen hat. Ich soll bei meinem nächsten Besuch in Lippe unbedingt bei ihm vorbeikommen – aber wann wird das sein??

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Reisebericht I – Ostwestfalen

Reisebericht Teil I       – Ostwestfalen

Da bin ich wieder – und habe abwechslungsreiche 8 Tage hinter mir!

Zunächst einmal: meine Befürchtungen, die lange Strecke könnte mir Schwierigkeiten bereiten, waren unbegründet; ich bin gut und sicher gefahren, es gab keine einzige brenzlige Situation. Ich war auch sehr flott unterwegs, ich wollte mein Auto mal richtig marschieren lassen, immer nur die Kurzstrecken, das kann nicht gut sein. Ich habe dann auch mal von Gas auf Sprit umgeschaltet und bin eine Weile 180 gefahren, aber als ich merkte, dass die Tanknadel sich der Geschwindigkeit anpasste, habe ich es langsamer angehen lassen. Jetzt kann ich nur hoffen, dass im Nachspann meiner Reise keine teuren Fotos ankommen.

Die erste Station war Ostwestfalen, Anlass war ein runder Geburtstag meines dort lebenden Bruders.

Als ich am Ende der Fahrt im „Ravensberger Hügelland“ ankam, wurde mir plötzlich klar, dass es auch eine Reise in die Vergangenheit sein würde: in dieser Gegend sind Jens und ich zwar nicht geboren, aber aufgewachsen, und ich wusste, er wäre mit mir seine alten Wege gefahren, hätte mir die Häuser seiner Freunde gezeigt und mir von seinen Kindertagen erzählt. Ich schaffte es nicht, dort entlang zu fahren.

Das Hotel, in dem die Geburtstagsfeier stattfand, lag am Wiehengebirge, und ich hatte von meinem Zimmer aus einen ähnlichen Blick über das Land wie früher vom Haus meiner Schwiegereltern aus: eine sanft gewellte, sehr schöne und grüne Landschaft mit gepflegten Häusern und Vorgärten, in denen der Rhododendron üppig blühte. Was mir auch immer wieder auffällt, ist die unglaubliche Zersiedelung der Landschaft, man kann keinen Anfang und kein Ende der Dörfer erkennen, man schaut im Grunde auf eine riesige Gartenstadt. Von den ursprünglich typischen schwarz-weißen Fachwerkhäusern mit hohen Bäumen herum gibt es nicht mehr viele. Die Leute lassen ihre Häuser verklinkern, das passt überhaupt nicht in diese Gegend. Aber ein vertrautes Gefühl gibt sie mir immer noch.

Die Geburtstagsfeier war nett, ich habe meine Brüder mit ihren Frauen, einen Neffen sowie meine Cousine aus Paris und frühere Nachbarn getroffen. Es wurde gut gegessen, getrunken und viel erzählt.

Als der etwas förmlichere Teil des Geburtstages vorbei war, ging mein Bruder von Wein auf Bier und „Schluck“ über. Der Name deutet schon an, wie der Schnaps – meistens Wacholder oder Korn – getrunken wird. Ich habe mich früh genug gebremst, ich wollte keinen Brummschädel bekommen.

Bevor ich am anderen Morgen weiterfuhr, bin ich noch auf dem Friedhof am Grab meiner Eltern gewesen. Dabei war ich froh, dass der Eingang der großen Schnathorster Kirche im Hintergrund von hohen Bäumen verdeckt war – Konfirmation – Trauung – Angelas Taufe – Lauf des Lebens.

Ich glaube, dieser erste Teil der Reise war eher dazu geeignet, wehmütige Jugenderinnerungen wachzurufen. Ein fröhlicher Bericht ist es deshalb wohl leider nicht geworden. Darum zum Schluss die Erwähnung, dass dies die Gegend Wittekinds, des Herzogs der Sachsen, gewesen ist. Es geht die Legende, er habe, um den Häschern Karls des Großen zu entfliehen (die ihn christianisieren wollten, was letztlich auch geschehen ist), die Hufe seines Pferdes verkehrt herum beschlagen lassen, um die Verfolger in die falsche Richtung zu locken – armes Pferd, kann ich da nur sagen!

Ich hoffe, dass ihr solche oder andere Tricks nicht nötig habt!

Eure Renate

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Sendepause

Meine Lieben,

ich verabschiede mich erst einmal für einige Zeit von euch, da ich in den nächsten Tagen zur einer „kombinierten Verwandtschafts-/Freundschaftsreise“ aufbreche. Mein Bruder hat einen runden Geburtstag, ein Klassen- und ein Sippentreffen und ein Besuch in unserem alten Wohnort sind zu absolvieren. Das alles spielt sich in Ostwestfalen, im Weserbergland und im Sauerland ab, da lohnt sich die weite Fahrt doch! Es ist das erste Mal, dass ich die Tour ganz alleine fahre. Ich werde bei längeren Autofahrten immer so schnell müde, drückt mir die Daumen, dass alles gut klappt.

Da ich vor meiner Abreise noch Besuch kriege (passt immer alles so gut, aber ich mag Freunden, die hier vorbei kommen wollen, grundsätzlich nicht absagen), bin ich etwas im Stress. Es ist auch sonst noch viel zu erledigen, wie immer vor einer Reise.

Ich hoffe, neben vielen neuen Eindrücken auch schöne Erlebnisse zu haben, damit ich euch nach meiner Rückkehr in alter Frische davon berichten kann.

Genießt einstweilen den Frühling: Den Duft der Hecken, das frische Grün der Bäume, das Gelb der Rapsfelder und das Blühen rundherum.

Bei dem Wetter solltet ihr sowieso nicht am Computer sitzen!

Bis bald, adieu, eure Renate

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