Hallo, meine lieben Freunde!
Ich habe euch ja schon mal berichtet, dass es hier im Osten morgens früher hell und abends eher dunkel wird als im Westen. Das hat zur Folge, dass sich ganze Tagesabläufe und Gewohnheiten zeitiger in den Vormittag verlagern.
Die Besuchszeit bei Geburtstagen oder Jubiläen ist doch eigentlich 11 Uhr, aber hier in Brandenburg geht das schon um 10 los. Hier sagt man auch schon um 11 Uhr „Guten Tag“ (sprich: „Tach-chen“) und nicht erst um 12. Ihr seht, so eine bedauernswerte Westfrau muss viel lernen.
Weiter muss ich mal wieder ein Loblied auf meine Brandenburger singen: Wenn sie ein Haus betreten, ziehen sie auf der Stelle ihre Schuhe aus. Ich weiß, dass das früher auch in Westfalen üblich war, aber seitdem alles versiegelt und zugepflastert ist, ist diese alte Höflichkeit den Hausfrauen gegenüber in Vergessenheit geraten. Die Brandenburger ziehen ganz automatisch, ohne nachzudenken, ihre Schuhe aus. Bei dem Sandboden hier ist das angebracht, sonst knirscht es ganz schnell im Haus!
Es gibt aber auch in jedem Haus Hausschuhe (Puschen, Schlappen, Schluffen ..) für Gäste. Und in meinem Flur sieht es bei Besuchen aus wie in einem Schuhladen, so viele Paare ausgezogener Schuhe stehen dann ´rum.
Ich habe mich so sehr daran gewöhnt, dass ich bei meinem letzten Besuch in Elspe meinen Freund Gerald, der aus dem Wald (!) kam und sein frisch gewischtes Haus betreten wollte, laut zugerufen habe: „Halt, Schuhe ausziehen!“ Er war sehr erstaunt und hat sich wahrscheinlich gedacht, was geht das die Alte an, wie ich mein Haus betrete, aber er hat sich die Schuhe ausgezogen und beließ es beim Kopfschütteln.
Haltet also Hausschuhe bereit, das spart Arbeit!
In diesem Sinne alles Liebe, eure Renate


