14. November 2009
· Gespeichert unter Allgemeines, Leben in der Prignitz, Rund um Gumtow · Tagged Demonstrationsabende, Kerzen und Gebete, Mauerfall, Repressalien
Liebe Freunde,
am 9. November 2009, dem 20. Jahrestag des Mauerfalls, hätte ich ja eigentlich nach Berlin fahren müssen, um die Feiern mitzuerleben. Ich wollte aber keinen Rummel, sondern lieber Besinnung und bin am Abend dieses Tages mit Freundin Antje aus Kyritz in die dortige Marienkirche gegangen, in der zu einer Andacht zur Erinnerung an die Demonstrationsabende, die vor 20 Jahren in dieser Kirche und auf dem Kyritzer Marktplatz stattfanden, eingeladen worden war. Die Kirche war ziemlich voll, es waren vor allem auch die Menschen da, die damals dabei gewesen sind, und sie haben ihre Erinnerungen und Gefühle geschildert. Der Abend wurde eingeleitet von Worten Horst Sindermanns (mir unbekannte einstige SED-Größe):
„Wir hatten alles geplant. Wir waren auf alles vorbereitet. Nur nicht auf Kerzen und Gebete.“
Daneben gab es Fotos von den damaligen Versammlungen, die mich sehr beeindruckt haben. Die Menschen wussten ja zu jener Zeit nicht, wie die Sache ausgeht, sie hätten durchaus mit späteren Repressalien rechnen können.
Ansonsten werde ich in der nächsten Zeit nicht viel von mir hören lassen, ich bin augenblicklich – jahreszeitlich und erinnerungsmäßig belastet – nicht so gut drauf, das muss ich ja nicht bei euch auslassen.
Ich hoffe, dass es euch besser geht, bis demnächst, eure Renate
12. November 2009
· Gespeichert unter Allgemeines · Tagged Telefon, Reformationstag, Halloween, verkleidete Kinder, Süßigkeiten, Bonbons, geistreich, Tor, Auto
Guten Tag, meine Lieben!
An einem der letzten Wochenenden feierte meine Freundin Gertrud aus Bad Salzuflen ihren Geburtstag bei mir in Gumtow. Es war der 31. Oktober, also Reformationstag – auf neudeutsch Halloween. An diesem Abend ziehen auch in Gumtow verkleidete Kinder durch die Straßen, klingeln, sagen „Gib uns Süßes, sonst gibt´s Saures“ (sehr geistreich) und bekommen Süßigkeiten. Ich hatte mir eine Tüte voller Bonbons zurechtgelegt und ging hinaus, wenn es klingelte. Dabei hatte ich im Dunkeln nicht gesehen, dass Stella mit hinaus-, aber nicht wieder mit hineingekommen war. Plötzlich ging das Telefon: “Renate, dein Hund sitzt vor dem Tor!“ Da saß sie tatsächlich und grämte sich, sie bellt ja nicht wie andere Hunde, um sich bemerkbar zu machen. Sie schmiss sich in ihren Korb und sah mich vorwurfsvoll an – wie konnte ich sie vor dem Tor vergessen! Das Telefon ging nochmal: „Dein Hund ist draußen, hoffentlich läuft er nicht vor ein Auto!“ „Danke, sehr lieb“, entgegnete ich, „ist schon erledigt.“ Bei der Lautstärke im Haus – wegen der Feierei – hörte ich manchmal das Klingeln nicht, aber als ich wieder hinausmusste, fragten die Kinder: “Ist Stella wieder da?“
Ihr seht, man hat ein Auge auf mich (bzw. auf meinen Hund), das ist sehr beruhigend, finde ich.
Ich hoffe, dass es auch in eurem Leben Menschen gibt, die auf euch achten – macht´s gut, eure Renate
29. Oktober 2009
· Gespeichert unter Allgemeines · Tagged Balkone, Bürgerrechtler, friedliche Revolution, Gängelei, Glück, Heilige, Kommunisten, Mangelwirtschaft, Mauerfall, Ostberlin, rot-rote Regierung, Schwefel, SED, SPD, Verrat
Hallo, liebe Freunde!
Da ist es also passiert: Brandenburg bekommt eine rot-rote Regierung! Mit großer Fassungslosigkeit muss ich zur Kenntnis nehmen, dass die in Brandenburg bei der Wende von Bürgerrechtlern wieder gegründete SPD 20 Jahre später mit der Nachfolgepartei der SED ein Regierungsbündnis eingeht. In Zeitungskommentaren ist von „Verrat an der friedlichen Revolution“ die Rede, meine Empfindungen sind ähnlicher Art.
Täglich sieht man jetzt im Fernsehen die Bilder aus der Zeit des Mauerfalls, das damals empfundene Glück wird wieder gegenwärtig – und gleichzeitig ziehen „Honeckers Erben“ in die brandenburgische Regierung ein…
Ich bin sicher, dass wir 1994 nicht nach Brandenburg gekommen wären, wäre das voraussehbar gewesen.
Ich habe doch noch sehr gut in Erinnerung, wie es damals in Ostberlin aussah, in genau jener Straße, in der jetzt Stulle wohnt – man traute sich nicht, unter den Balkonen entlang zu gehen, aus Angst, sie könnten herunterstürzen, in den Häusern regnete es durch, alles war grau und trist und roch nach Schwefel… Wie die Dörfer aussahen, was die Nachbarn und Freunde aus Gumtow uns erzählt haben über die Zeit der Mangelwirtschaft und Gängelei – ich kann wirklich nicht fassen, wie vergesslich die Menschen sind, und dass sie immer noch schönen Worten und Versprechungen glauben und wieder die Kommunisten wählen…
Sie haben ihren Namen zweimal geändert, aber selbst wenn ich mich Elisabeth nennen würde, wäre ich längst noch keine Heilige!
Trost gibt´s leider nicht – eure erschütterte Renate
27. Oktober 2009
· Gespeichert unter Allgemeines, Leben in der Prignitz · Tagged Tagesabläufe, Gewohnheiten, Jubiläen, Besuchszeit, Höflichkeit, Sandboden, Hausschuhe, Puschen, Schlappen, Schluffen, Schuhladen, Kopfschütteln
Hallo, meine lieben Freunde!
Ich habe euch ja schon mal berichtet, dass es hier im Osten morgens früher hell und abends eher dunkel wird als im Westen. Das hat zur Folge, dass sich ganze Tagesabläufe und Gewohnheiten zeitiger in den Vormittag verlagern.
Die Besuchszeit bei Geburtstagen oder Jubiläen ist doch eigentlich 11 Uhr, aber hier in Brandenburg geht das schon um 10 los. Hier sagt man auch schon um 11 Uhr „Guten Tag“ (sprich: „Tach-chen“) und nicht erst um 12. Ihr seht, so eine bedauernswerte Westfrau muss viel lernen.
Weiter muss ich mal wieder ein Loblied auf meine Brandenburger singen: Wenn sie ein Haus betreten, ziehen sie auf der Stelle ihre Schuhe aus. Ich weiß, dass das früher auch in Westfalen üblich war, aber seitdem alles versiegelt und zugepflastert ist, ist diese alte Höflichkeit den Hausfrauen gegenüber in Vergessenheit geraten. Die Brandenburger ziehen ganz automatisch, ohne nachzudenken, ihre Schuhe aus. Bei dem Sandboden hier ist das angebracht, sonst knirscht es ganz schnell im Haus!
Es gibt aber auch in jedem Haus Hausschuhe (Puschen, Schlappen, Schluffen ..) für Gäste. Und in meinem Flur sieht es bei Besuchen aus wie in einem Schuhladen, so viele Paare ausgezogener Schuhe stehen dann ´rum.
Ich habe mich so sehr daran gewöhnt, dass ich bei meinem letzten Besuch in Elspe meinen Freund Gerald, der aus dem Wald (!) kam und sein frisch gewischtes Haus betreten wollte, laut zugerufen habe: „Halt, Schuhe ausziehen!“ Er war sehr erstaunt und hat sich wahrscheinlich gedacht, was geht das die Alte an, wie ich mein Haus betrete, aber er hat sich die Schuhe ausgezogen und beließ es beim Kopfschütteln.
Haltet also Hausschuhe bereit, das spart Arbeit!
In diesem Sinne alles Liebe, eure Renate
22. Oktober 2009
· Gespeichert unter Allgemeines · Tagged ärztlicher Kunstfehler, Babysitterin, DJ, Geburtstagsfeier, Lüdenscheid, Opfer, Party, Theke, Wochenende
Hallo, meine Lieben!
Ich wollte euch von Angelas Geburtstagsfeier berichten:
Es war eine tolle Party! Sie hatte einen Raum angemietet, in dem sich die ca. 40 Gäste munter tummelten – es gab eine Theke, einen DJ, etwas zu essen und viel zu trinken…
Man konnte sich Musikstücke wünschen, die der DJ aber nicht unbedingt gespielt hat – ich hatte mir „Forever Young“ und „Ring of Fire“ gewünscht – letzteres hat er allerdings erst gespielt, als ich schon weg war, wurde mir erzählt.
Ich hatte mich darauf gefreut, möglichst viele von Angelas alten Freundinnen und Freunden wiederzutreffen, es hat mich immer interessiert, wie ihr Leben sich entwickelt hat; besonders berührt waren wir alle über den Besuch ihres allerersten Freundes aus Lüdenscheid, nur leider ist er sehr krank – durch einen ärztlichen Kunstfehler -, das war kein gutes Thema für mich und es war natürlich auch ein Schock, gefragt zu werden: …“wo ist denn Ihr Mann?“…
Trotzdem war ich sehr „gut drauf“ an diesem Abend und wäre gern noch länger geblieben, aber um eins bin ich zurück in Stulles Wohnung, um die Babysitterin abzulösen, die bei Hannah wachte (stimmt nicht, sie war auf dem Sofa eingeschlafen) – als Oma muss man Opfer bringen…
Alles in allem war das mal wieder ein tolles Wochenende in Berlin.
Bis bald, eure Renate
18. Oktober 2009
· Gespeichert unter Allgemeines, Leben auf dem Hof, Rund um Gumtow · Tagged Baumaßnahme, Fundamente, Holzstall, Kyritz, Mosterei, Obsternte, Sportkameradin, Walnüsse
Liebe Freunde,
die Obsternte haben wir während des Monats September erledigt: Mit Paulis Hilfe wurden ca. 10 Zentner Birnen und Äpfel gepflückt, die wir in 3 Touren nach Kyritz zur Mosterei brachten. 120 Flaschen Saft habe ich schon mit nach hier genommen, ca. 600 Flaschen – dazu zählt auch ein Restbestand aus den vergangenen Jahren – kann ich in den nächsten Monaten noch holen – das wird wohl für die Berliner Kinder und Enkel reichen??
Wir haben auch schon Körbeweise Walnüsse aufgesammelt, es liegen aber noch große Mengen Nüsse unter dem Baum.
Zum Herbst gehört es leider auch, dass meine wunderschönen Gänse demnächst geschlachtet werden müssen, ich mag gar nicht daran denken; es fällt so schwer, wenn man sie mit Mühe und Fürsorge großgezogen hat. Eine Sportkameradin aus einem Nachbarort wird diese Arbeit für mich erledigen, ich kann das nicht.
Des weiteren lasse ich zur Zeit den alten baufälligen Holzstall neu errichten, die Fundamente wurden schon gegossen. Freundin Antje aus Kyritz meinte, ich würde ja genau so weitermachen wie Jens früher, aber dies ist garantiert die letzte Baumaßnahme hier…
Lasst es euch gut gehen! Eure Renate
13. Oktober 2009
· Gespeichert unter Allgemeines, Familie · Tagged Feier, Freunde, Sternenmeer, Wildgänse
Hallo Ihr Lieben,
heute Abend habe ich wie immer vor dem Schlafengehen Stella noch einmal in den Garten gelassen und von der Terrasse aus den Sternenhimmel angeschaut: ein unglaubliches Sternenmeer über mir, die Milchstraße ganz deutlich, der große Wagen und die hell leuchtenden großen Sterne, deren Bezeichnung ich kaum kenne – da lebt man schon so lange auf dieser Erde und weiß nicht einmal ihre Namen…
Die Wildgänse ziehen jetzt wieder nach Süden, am Tage und auch nachts hört man ihre Rufe … aber nicht nur deswegen bin ich heute Abend ein wenig wehmütig:
„In einem Land vor dieser Zeit“ habe ich vor vielen Jahren unser erstes Kind, Angela, zur Welt gebracht, ein gesundes kleines Mädchen, nun selbst schon Mutter….
Aber ihr wisst ja – immer nach vorne schauen:
Am Wochenende gibt es eine große Feier in Berlin. Angela hat ganz viele Freunde von früher eingeladen, die ich natürlich auch kenne, ich freue mich schon sehr, sie alle zu treffen.
Ich werde euch berichten! Macht´s gut, Renate
11. Oktober 2009
· Gespeichert unter Leben auf dem Hof, Rund um Gumtow · Tagged Arbeitskleidung, Büsche und Sträucher, Erdbeerpflanzen, Gemüsegarten, Mittagessen, Orgelbühne, Orgelmusik, Register, Ritter Kahlbutz, verwesen, Wein
Hallo Freunde,
am Wochenende hatte ich Besuch von Hardys Eltern. Der Vater ist Pfarrer, die Mutter Kirchenmusikerin gewesen, ich erzählte schon einmal von ihrem schönen Orgelspiel. Kaum waren sie auf dem Hof angekommen, stürzten sie sich in Arbeitskleidung und in den Garten. Ich war vollkommen verblüfft, aber sie erklärten, es solle Regen geben und Eile sei geboten. Hardy hatte ihnen wohl erklärt, was hier alles im Argen liegt. Heiner hat in kürzester Zeit den Wein und alle Büsche und Sträucher um die Scheune herum beschnitten und die abgeschnittenen Äste zu den Schafen transportiert, und Ruth quälte sich im sog. Gemüsegarten mit den Erdbeerpflanzen herum. Beim Mittagessen fing es dann tatsächlich zu regnen an, und sie waren sehr befriedigt, es richtig gemacht zu haben. Danach machten wir einen ausgiebigen Mittagsschlaf, den sie sich im Gegensatz zu mir auch redlich verdient hatten.
Am späteren Abend sind Ruth und ich in der Kirche gewesen (ich habe einen Schlüssel), und Ruth hat für mich einige Stücke gespielt. Es gibt für mich leider sehr unmusikalischen Menschen kaum etwas Schöneres als Orgelmusik; ich saß neben Ruth oben auf der Orgelbühne, genoss die Klangfülle und ließ mir am Schluss die verschiedenen Register erklären.
Heute (Sonntag) haben wir den Ritter Kahlbutz in Kampehl besucht, das ist der arme Kerl, der nicht verwesen kann. Besucht ihn mal, es ist sehr interessant, seine Geschichte zu hören!
Es war ein harmonisches Wochenende mit Ruth und Heiner, wir hatten uns viel zu erzählen, weniger über die Familie, sondern mehr über alles, was in der Welt so vor sich geht (und da gibt es allerhand!).
Ich hoffe, dass ihr auch – trotz des ekelhaften Wetters – zufrieden mit dem Wochenende sein konntet. Ich wünsche euch den Frieden der Nacht – wie immer eure Renate
1. Oktober 2009
· Gespeichert unter Allgemeines · Tagged Perleberg, Orientierungssinn, Navigationsgerät, Deutschlandtour, Bölkstoff, norddeutscher Dialekt, Route, Fehlerquote, Bundesstraße, eingekeilt, ausgewiesen, Demenz, Scheunentor, Kommentar
Da bin ich wieder!
Heute möchte ich mal mein Navigationsgerät loben, das mir auf meinen Fahrten ein treuer Wegweiser ist. Ich habe ja schon erwähnt, dass mein Orientierungssinn gleich null ist, deshalb stelle ich es bei allen weiteren Fahrten oder in Städten, in denen ich eine Straße suchen muss, an.
Vor ein paar Wochen hatte ich mein Gerät an Hardy und Angela für ihre „Deutschlandtour“ ausgeliehen. Hardy hat mir dann anstelle der Standard-Männerstimme die Stimme von Werner – das ist der mit dem „Bölkstoff“ – aufgespielt.
Der liebe Werner begleitet mich nun überall hin und sagt mir den Weg in seinem norddeutschen Dialekt an, z.B. „Nun bieg mal liebers links ab“ (hört sich ungefähr so an: „Nun biech maol liebers links aff“) oder „da, wo denn nich mehr weitergeht, bieg mal liebers rechts ab und denn eier aber nicht so rum“. Am schönsten ist es aber, wenn ich angekommen bin und er sagt: „Wir sind da, mein Herz“ – ist das nicht süß?
Man muss natürlich trotzdem die Route einigermaßen im Kopf haben, weil kein Navi ohne Fehlerquote ist. Manchmal sind ihm Straßen nicht bekannt oder bei der Angabe der einzuschlagenden Richtung wird anstatt Bundesstraße 19 nun 89 angegeben oder so etwas.
Aber eine gut Fahrerin macht Werner aus mir doch nicht. Gestern war ich in Perleberg; als ich zum Parkplatz zurückkam, war mein Auto total eingekeilt und ich traute mir nicht zu, mit meiner langen Kiste auszuparken. Gott sei Dank kam eine junge Frau vorbei, die mich „ausgewiesen“ hat. Da kam ich doch sehr ins Grübeln.
Aber die Krönung habe ich mir heute morgen geleistet: ich habe Stella in den Kofferraum gelassen, aber die Klappe nicht geschlossen (beginnende Demenz??) und bin dann mit hochstehender Klappe (ist ein Kombi) voll gegen das Oberteil des Scheunentores gebrettert. Schaden groß, Kommentar überflüssig.
Ich hoffe, dass ihr nicht so schusselig seid wie eure Renate
26. September 2009
· Gespeichert unter Allgemeines · Tagged Akademisches Viertel, angewählt, Anrufe, Deutschland, Geste, Händeschütteln, korrekt, Namen, Nummern speichern, pünktlich, Preußen, Sitten, Spitze, Tonfall, Unsitte
Guten Abend, liebe Freunde!
Heute muss ich mich mal über eine Unsitte beschweren, die besonders hier im Osten herrscht (hat vermutlich auch im Westen schon um sich gegriffen): Warum meldet sich niemand bei Anrufen korrekt – wie das in Deutschland üblich ist – mit seinem Namen?? Warum hört man nur noch ein gehauchtes „Hallo..“ oder „Ja?“, bestenfalls noch „Ja bitte?“ ?? Ist es so schlimm, seinen Namen zu sagen?? Natürlich ist es so, dass man viele Nummern gespeichert hat und also erwarten kann, die angewählte Person zu erreichen. Aber manchmal wählt man auch noch von Hand und wenn dann das leise mürrische „Hallo…“ ertönt, kann es passieren, dass man wildfremden Menschen alles mögliche erzählt, bis man rauskriegt, dass man sich verwählt hat. Man kann sich doch ganz einfach mit seinem Namen melden, der ist doch oft sogar kürzer (wenn man nicht gerade Leutheuser-Schnarrenberger heißt). Spitze sind besonders diejenigen, die ihr „Ja bitte?“ in dem Tonfall von „Wer stört?“ herausbringen.
Für andere beibehaltene alte Sitten muss ich aber meine lieben ostdeutschen Landsleute loben: Sie geben sich noch die Hand, immer und überall, das finde ich gut, diese Geste hat schließlich ihre Bedeutung. Das Händeschütteln wird aber auch bei großen Feiern exerziert. Da ist es gut, früh zu erscheinen, weil man sonst dreißig bis fünfzig Leuten hintereinander die Hände schütteln muss…
Und sie sind pünktlich, superpünktlich. Das Späterkommen im Rahmen des sog. „Akademischen Viertels“, welches im Westen schon an der Tagesordnung ist, wird hier eher umgekehrt gehandhabt, man kommt lieber früher: „Fünf Minuten vor der Zeit ist des Preußen Pünktlichkeit“ – schön, nicht wahr?
Macht`s gut, Leute, schlaft gut, eure Renate
24. September 2009
· Gespeichert unter Allgemeines · Tagged Celle, Fachwerkhäuser, Geburtstagsessen, gekreuzte Pferdeköpfe, Heidschnuckenbraten, Hengstparade, Kutschfahrt, Niedersächsisches Landgestüt, Wilseder Berg
Hallo liebe Freunde, ich habe ein paar sehr schöne Tage mit Lydia und Gerald in der Lüneburger Heide hinter mir! Das milde sonnige Herbstwetter und die schöne Landschaft waren ein würdiger Rahmen für Lydias Geburtstagsfeier. Wir haben eine Kutschfahrt Richtung Wilseder Berg gemacht und die schöne kleine Stadt Celle mit ihren alten Fachwerkhäusern und die Hengstparade im dortigen niedersächsischen Landgestüt besucht (ich muss dazu bemerken, dass sich die Hengstparade in Neustadt/Dosse, die ich schon ein paar mal besucht habe, nicht hinter der Celleschen verstecken muss).
Als feierliches Geburtstagsessen hatte ich mir Heidschnuckenbraten ausgewählt, um zu überprüfen, ob der Kutscher recht hatte, der uns erzählte, dass Heidschnucke wie Wild und nicht wie Schaf schmecke – stimmt nicht, schmeckt wie Schaf, was ich aber mag.
Ich habe immer verlangend auf die Dächer der großen Bauernhäuser geschaut: am First sind in Niedersachsen die gekreuzten Pferdeköpfe aus Holz angebracht – ich möchte so gern auch welche für meine Scheune haben – aber woher bekommen, ich kann sie doch nicht von den Dächern klauen…?
Wir konnten die Zimmer dann nicht länger buchen und Lydia und Gerald sind noch ein paar Tage mit nach Gumtow gekommen. Wir haben Ausflüge gemacht, u.a. nach Havelberg, und haben an einem Abend auch Sonja und Bernhard besucht. Nun sind Lydia und Gerald abgereist, und ich muss mich wieder verstärkt um meine Angelegenheiten hier kümmern. Es war eine schöne Zeit, aber es kann nicht alle Tage Sonntag sein.
Macht´s gut, bis bald, eure Renate
16. September 2009
· Gespeichert unter Über Mensch und Tier · Tagged Brandenburger, Brocken, Futter, Gewitter, Hundeleben, Husky, Madam, Münsterländer, Napf, Respekt, Retriever, Rottweiler, Rudel, Schlingen, Silvesterknaller, Welpen
Hallo meine lieben Freunde,
ich denke, dass es angemessen ist, meiner guten Stella einen eigenen Bericht zu widmen. Sie wird in dieser Woche 10 Jahre alt, sie ist fast auf den Tag genau so alt wie unser ältester Enkel Ben.
Ich bekam sie einst als Welpen zum Geburtstag, ein tollpatschiges schwarz-braun-gelbes Wuschelknäuel, eine Mischung aus Retriever, Rottweiler, Husky, Schäferhund und und …. In den ersten Wochen glaubten wir, sie könne nicht bellen und waren froh, als wir es zum ersten Mal hörten. Auch jetzt bellt oder knurrt sie nur wenig, das ist sehr angenehm. Sie ist insgesamt ein sehr ruhiger Hund, am liebsten liegt sie im Hof, weiß ihre Menschen um sich herum und ist zufrieden (und leider auch sehr verfressen).
Sie musste in den nun fast 10 Jahren ihres Hundelebens zunächst Ben, später Dita und nun einige Jahre später Hannah und Till mit „großziehen“. Alle vier waren von Anfang an verrückt nach ihr; sobald sie krabbeln konnten, hatte sie keine Ruhe mehr vor ihnen, da wurde gestreichelt – gezwickt – gestreichelt – getreten – gestreichelt – geschubst usw. usw. Als Ben und Dita aus dem Gröbsten heraus waren, kamen Hannah und Till noch hinterher, sie reagierte anfangs durchaus genervt… muss das sein, schon wieder solche Kröten…, aber sie liebt und beschützt die Kinder und würde sie niemals beißen, sie gehören eben zum Rudel.
Wenn die Glocken abends um 6 Uhr läuten, bekommt sie ihr Futter. Je nachdem, welches Kind da ist, macht es ihr das Futter mit meiner Hilfe fertig, sogar Hannah und Till können das schon. Till legt sich dann neben den Napf und schmeißt alle Brocken, die ihr beim Schlingen danebenfallen, wieder hinein .. sie knurrt nicht einmal .., welcher Hund lässt sich das gefallen?
Aber sie wäre auch durchaus in der Lage, ihre Menschen zu verteidigen, sollte das nötig werden. Sie ist ein großer, wuchtiger, Respekt einflößender Hund, dazu ein sehr schönes Tier. Sogar in Berlin, wo es Unmengen von Hunden gibt, wird man auf sie angesprochen. „Was ist das denn für eine Rasse?“ werden wir oft gefragt. „Ein Brandenburger“, sagen wir dann (schließlich gibt es ja auch Münsterländer).
Sie ist durch nichts aus der Ruhe zu bringen – Gewitter oder Silvesterknaller machen ihr nichts aus. In Berlin fährt sie, obwohl Landei, mit großer Seelenruhe Straßen- und U-Bahn oder Lift. Das sie auch anders als sanftmütig sein kann, erlebt man, wenn sie auf andere Hündinnen trifft…
Sie liebt wie viele Menschen auch einen festen Tagesablauf: morgens raus in den Garten, danach eine Leberwurststulle, nach dem Frühstück Spaziergang und anschließend ein Stück Pansen, abends beim Glockenläuten … siehe oben.
Aber am liebsten fährt sie Auto …
Pauli, der sie nimmt, wenn ich fort muss, nennt sie nur „Madam“ und ich sage oft „Dicke“ zu ihr. Sie schläft in einem sehr großen Korb unter der Treppe, ich höre sie nachts schnarchen, für mich ein sehr vertrautes Geräusch. Ohne sie wäre es viel zu still und noch ein Stück einsamer… ich kann nur hoffen, dass ich sie noch ein paar Jahre habe.
Macht´s gut, eure Renate
12. September 2009
· Gespeichert unter Leben in der Prignitz, Rund um Gumtow · Tagged Abend-Gottesdienst, Abendmahl, Brille, Erwachsenen-Taufe, Glückwunsch, Glocke, Gumtower Kirche, Künstler, Liebeslieder, Pfarrerin, Sänger, Taufkerze, Täufling, Vaterunser, Zopf
Hello again – ich habe vergessen, euch von einem Abend-Gottesdienst zu erzählen, der an einem der letzten Sonntage in der Gumtower Kirche stattfand. Er begann mit einer Erwachsenen-Taufe, das war etwas Neues für mich. Der „Täufling“ mochte ca. 50 Jahre alt sein, hatte einen schon etwas ergrauenden Zopf und musste sich für die Taufhandlung die Brille abnehmen. Unsere Pfarrerin gestaltet immer alle Gottesdienste, besonders aber Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen, sehr schön. Diesmal mussten aber doch alle lächeln, als sie zu der ca. 25-jährigen hübschen Tochter des Getauften, die die Taufkerze hielt, sagte: „Herzlichen Glückwunsch zur Taufe Ihres Vaters!“
Im weiteren Verlauf wurden von jungen Künstlern aus der Umgebung Lieder vorgetragen, dazu kam noch ein junger, sehr gut aussehender Sänger aus Berlin, der Liebeslieder sang, darunter ein französisches. Ich konnte leider nicht entspannt zuhören, weil ich beim Abendmahl, welches in der Gumtower Kirche immer bei einem Taufgottesdienst gefeiert wird (was ich so nicht kenne), in dem Moment, wenn das Vaterunser gebetet wird, eine Glocke läuten muss, so dass ich immer auf der Hut zu sein habe, den richtigen Moment nicht zu verpassen. Aber … es gibt Schlimmeres und es war ein schöner Abend.
Bis bald, eure Renate
9. September 2009
· Gespeichert unter Freunde und Nachbarn · Tagged Cannes, Filmfestspiele, Geburtstagsfeier, Gehöft, Gutschein, Herbst, Karpatenweg, Kunstschnee, Lüneburger Heide, Obsternte, schwarz-weiß-Film, Styroporpulver
Hallo, meine lieben Freunde!
Als am 30. August die Sommerferien zu Ende gingen und das letzte Besucherauto das Gehöft verließ, erlebte ich das mit sehr gemischten Gefühlen – ein Stück Wehmut ist schon jedes Mal dabei, wenn ich allein zurückbleibe. Ich muss mich nun wieder umstellen auf ein ruhigeres Leben – aber zu tun ist hier ja genug – so steht z.B. in den nächsten Tagen die Obsternte an. Damit reift auch die Erkenntnis, dass es Herbst wird…
Aber ich konnte mich schon auf die Geburtstagsfeier unseres Freundes Bernhard freuen, die im Sauerland stattfinden sollte. Sonja und Bernhard nahmen mich mit, und ich habe ein sehr schönes Wochenende im Sauerland erlebt (bei Regen, wie gewöhnlich). Ich übernachtete bei Gerald und Lydia in Elspe, und wir haben uns für Ende September zu einem gemeinsamen Kurzurlaub in der Lüneburger Heide verabredet – darauf freue ich mich…
Mein Geburtstagsgeschenk für Bernhard war übrigens ein Gutschein für den Besuch des Filmes „Das weiße Band“. Es ist ein schwarz-weiß-Film, der bei den Filmfestspielen in Cannes eine Auszeichnung erhalten hat. Der Film wurde im Sommer gedreht, aber die Szene, die am Karpatenweg in Gumtow aufgenommen wurde, spielt im Winter, und Sonja und Bernhard haben Wasser zur Verfügung gestellt für den Kunstschnee. Der war noch sehr lange zu sehen und sah wie feines weißes Styroporpulver aus. Dieser Film läuft demnächst in Berlin, Emmi wird mir Karten besorgen.
Bin mal gespannt, bis bald, eure Renate
P.S. Dies ist übrigens mein 50. Bericht aus Gumtow!
22. August 2009
· Gespeichert unter Leben auf dem Hof · Tagged Dachboden, Ehrenamt, Muße, Speicher, Speis, Steckdose
Hallo Freunde!
Ich habe jetzt eine Woche familienfrei gehabt, aber trotzdem keine Muße, es waren Veranstaltungen im Dorf im Rahmen meiner kleinen Ehrenamte… ihr wisst schon, Kirchengemeinde und Volkssolidarität, zum Sport konnte ich auch wieder. Nächste Woche kommen noch mal Enkel – Ben und Dita – und zum Wochenende hin als Krönung der Ferienbesuche Stulle mit Hannah und Emmi und deren liebe hessische Eltern. Danach gehen die Ferien zu Ende und ich muss mich dann wohl oder übel wieder an das Alleinsein gewöhnen.
Neulich hatte Angela mit Till auf dem Dachboden (wir nennen ihn Speicher) nach etwas gesucht; Till hatte dabei einen alten sog. „Kassettenrecorder“ gefunden, der unserer Meinung nach kaputt und eigentlich schrottreif war; Speis von Maurerarbeiten klebte noch an ihm. Till durfte das ca. 35 Jahre alte Ding mit zu der Steckdose auf der Terrasse nehmen. Es ist schon erstaunlich, wie geschickt der Kleine schon ist (2 ¼, ich erwähnte es schon mal). Er konnte mit der einen Hand den Deckel der Steckdose anheben und mit der anderen Hand den Stecker einstecken. Dann drehte er an allen Knöpfen und Schaltern, die der Kassettenrecorder hat, nichts tat sich. Aber plötzlich dröhnte laute Musik über den Hof! Tills entgeistert-entsetztes Gesicht hättet ihr sehen müssen! Er schoss hoch und hielt sich die Ohren zu: „laut…“ Von nun an hatten wir jeden Tag schöne Musik auf der Terrasse!
Macht´s gut, bis bald, eure Renate
20. August 2009
· Gespeichert unter Leben auf dem Hof · Tagged August, Frieden, Gewitter, Himmel, Internet, Milchstraße, Rotwein, Sterne, Terrasse, Verbrecher, Wetterleuchten, Zweisamkeit
Guten Abend, ihr Lieben alle!
Ich habe eben noch im Dunkeln mit einem Glas Rotwein auf der Terrasse gesessen und den Sternenhimmel bewundert. Die Milchstraße ist jetzt im August besonders deutlich zu erkennen; je dunkler es wurde, um so deutlicher waren die Sterne zu sehen, der Himmel war unglaublich schön, die Luft warm, ein lauer Wind wehte. Es soll der heißeste Tag des Jahres gewesen sein, Gewitter sind gemeldet, im Westen war schon Wetterleuchten zu erkennen. Meine treue Begleiterin Stella lag bei mir. Ich glaube, sie würde bei der Wärme gerne mal nachts draußen schlafen, aber ich möchte sie lieber bei mir im Haus haben. Eine Bekannte schrieb mir, sie sei erstaunt, dass ich im Internet so freimütig über mein Leben erzähle, das sei doch gefährlich, „es gebe nirgendwo so viele Verbrecher wie im Netz“. Was soll mir geschehen? Das Schlimmste, was passieren konnte, ist doch schon passiert …
Außerdem… den Rotwein allein auf der Terrasse trinken zu müssen, ist schon schlimm genug!
Ich wünsche euch Zweisamkeit und den Frieden der Nacht! Eure Renate
16. August 2009
· Gespeichert unter Allgemeines · Tagged aktualisieren, Computer, defekt, e-mails, Ellenbogen, Fass, Festplatte, Garantieanspruch, GAU, harmoniesüchtig, kaputt, Kartenmaterial, Kraft, Mieter, Nachmieter, Nachrichten, Navigationsgerät, Reparatur, Sonne, Sonnenschirm, vertrauenswürdig, Zürich
Hallo, meine lieben Freunde!
Ich bilde mir nicht ein, dass ihr meine Berichte vermisst habt, aber vielleicht ist doch einigen von euch aufgefallen, dass nichts mehr kam – bei meinem Computer hat sich der größtmögliche GAU ereignet – irreparabler Schaden an der Festplatte – aus, Ende, vorbei -, von der Außenwelt abgeschnitten sozusagen. Zum Glück verbrachten Angela und Hardy mit Till (Dita und Ben waren bei ihrem Vater Ulf in Zürich) eine Woche ihres Urlaubs bei mir, so dass Hardy sich um den Schaden kümmern konnte (armer Kerl, hätte wahrscheinlich lieber in der Sonne gelegen). Der Computer musste zur Reparatur nach Kyritz, die meisten Daten der Festplatte konnten gesichert werden, aber alle e-mails sind weg. Die erste Reparatur ging schief, ich war sauer, soviel Geld und immer noch kaputt. Aber jetzt läuft´s wieder, sieht aber alles anders aus, ich muss mich umgewöhnen, das ist doch nicht mehr so einfach in meinen Jahren …
Nächster Fall: Ich hatte mir im letzten Jahr einen neuen Sonnenschirm geleistet, der wunderschön auf der Terrasse aussah, den ich aber leider schon zweimal zur Reparatur bringen musste – nun war er schon wieder defekt, ging nicht zu und ging nicht auf – jetzt war das Fass voll, zurückgeben und Geld wiederhaben, aber das war nicht so einfach: ich harmoniesüchtiger Mensch musste die Ellenbogen ausfahren wie früher im Beruf; es geht noch, kostet mich aber viel Kraft und gefällt mir nicht mehr. Doch ich musste einsehen, dass ich anders nicht zu meinem Recht gekommen wäre.
Es geht noch weiter: ebenfalls im letzten Jahr hatte ich mir ein Navigationsgerät gekauft und wollte es jetzt aktualisieren. „Garantieanspruch auf Aktualisierung des Kartenmaterials ist abgelaufen“, sagte der Computer. Kann nicht sein, ich habe das Gerät noch kein Jahr. Auch da muss ich wieder am Ball bleiben, anrufen, schreiben usw., es ist so ermüdend.
Reicht aber noch nicht: meine Mieter haben gekündigt und ich muss versuchen, vernünftige Nachmieter zu finden. Da sie mit mir auf einem Hof (aber in einem anderen Haus) leben, muss ich vertrauenswürdige Menschen finden, mit denen es sich gut auskommen lässt. Das ist jetzt erst mal das Wichtigste für die nächste Zeit – drückt mir die Daumen!
Ich hoffe, bald bessere Nachrichten für euch zu haben!
Macht´s gut, eure Renate
2. August 2009
· Gespeichert unter Leben auf dem Hof, Über Mensch und Tier · Tagged Friesack, Hotel, Schulkinder, Sporthaus, Versailles, Wort zum Sonntag
Hallo, meine lieben Freunde!
In einem Moment des Atemholens – 2 Tage ohne Besuch – schreibe ich euch. Jetzt in der Ferienzeit kommen alle mal vorbei, und ich bin sehr dankbar dafür. Da wird das Bettwäsche wechseln, das Kochen und ständige Aufräumen zur Nebensache, es zählt, dass ich nicht allein bin, die Zuneigung der Enkelkinder spüre, Neues erfahre, Freundschaften pflegen und erhalten kann. Was zählt im Leben? Sind es nicht diese Dinge, die Verbindung zu anderen Menschen? – Na, lass mal gut sein, Renate, dies ist nicht das Wort zum Sonntag…
In Gumtow ist es jetzt unglaublich schön, das frische Grün des Frühjahrs ist in das satte und üppige Grün des Sommers übergegangen, die Bäume hängen voller Früchte, jeder Tag wird überwiegend auf der Terrasse verbracht, die Tiere sind gesund (die einst kleinen Gänse sind jetzt schon größer als ihre Mutter Clara, das ist wie in vielen Menschenfamilien, bald werden sie auch Vater Kurt einholen, alle sieben leben noch, ganz einfach toll).
In der letzten Woche war Dita einige Tage allein bei mir, es war sehr schön mit ihr. Am Sporthaus war eine Betreuung für Schulkinder, sie durfte mit dorthin und fand es schön. Dann kamen Angela und Till noch dazu. Der Kleine (2 ¼ Jahre) spricht jetzt immer besser, mich nennt er „Moma“. Morgen kommen Stulle und Hannah (2 ½, sagt schon „Oma Nate“) für ein paar Tage, dann noch Gerald und Lydia aus Elspe, aber die beiden sind nur auf der Durchreise, sie machen Urlaub in der Nähe von Friesack, das ist nicht weit von hier, wir werden uns öfter treffen.
Ich freue mich auch schon auf den Besuch einer Schulfreundin von Angela, die in Versailles lebt, sie kommt in der nächsten Woche mit ihrem Mann und den beiden Kindern…, es ist schon was los hier, wie werde ich mich fühlen, wenn die Urlaubszeit vorbei ist?
Noch nicht dran denken, erst mal alles nehmen wie es kommt! Ich hoffe, dass ihr auch eine schöne Zeit habt, bis bald, eure Renate
23. Juli 2009
· Gespeichert unter Allgemeines, Rund um Gumtow · Tagged Ferienzeit, Friseur, Gelassenheit, Gewitter, Jugendzeiten, Lebensweg, Niederrhein, Sommerschnitt
Meine Lieben,
es ist Ferienzeit, und es hat sich viel Freundes- und Familienbesuch angekündigt, das werden abwechslungsreiche Wochen! Zunächst aber bin ich zum Friseur und sagte meiner Friseurin (Friseuse sagt man nicht mehr), sie könne bei der Hitze ruhig ein wenig mehr abschneiden; was sie mir aber für einen Sommerschnitt verpasst hat, habe ich erst zuhause gesehen: ich sehe jetzt eher spitzbübisch als großmütterlich aus! Gut, dass meine Haare schnell wachsen!
Auf dem Rückweg geriet ich in ein gewaltiges Gewitter. In Gumtow ist nur sehr starker Regen niedergegangen, aber Kyritz hat es voll erwischt. Im Radio wurde am anderen Morgen verkündet, dass dort 100 Bäume umgestürzt seien.
Dann kam der erste Besuch: gute alte Freunde aus Jugendzeiten vom Niederrhein. Wir haben den ganzen Abend und am anderen Morgen erzählt, in Erinnerungen gekramt und über Gott und die Welt geredet. Man kann sich doch glücklich schätzen, wenn sich Freundschaften über Jahrzehnte halten und bewähren. Man verfolgt den Lebensweg der Freunde und ihrer Partner, so wie auch sie unseren Lebensweg kennen, uns aufmuntern und Anteil nehmen. Wenn sie dann weiter müssen, ist man traurig, dass sie fahren und doch froh, sie zu haben.
Heute Abend geht es mit Familie weiter, ich glaube, wochenlang… Ich denke, ich werde längere Zeit nicht zum Schreiben kommen, höchstens mal für einen Kurzbericht, genießt derweil den schönen Sommer!
Wünscht mir Gelassenheit!
Dasselbe wünsche ich euch, eure Renate
16. Juli 2009
· Gespeichert unter Leben auf dem Hof · Tagged ausschlafen, berufstätig, Brandenburger, Frühaufsteher, Handtücher, Hof sanieren, Hundeshampoo, Leitungswasser, Liege, Mittagspause, Tageslicht, Wanne, Zonengrenze
Hallo Freunde,
heute beschreibe ich euch mal wieder eine Szene aus meinem täglichen Leben; dazu jedoch einige Vorbemerkungen:
Die Brandenburger sind, wie ich schon mal bemerkte, die Frühaufsteher der Nation. Ich habe lange über die Gründe nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass es damit zusammenhängen muss, dass es hier morgens früher hell und abends früher dunkel wird als zum Beispiel weiter westlich in Aachen (Tatsache, kein Witz); außerdem ist es eine seit Jahrhunderten landwirtschaftlich geprägte Region, man musste also das Tageslicht nutzen, indem man früh aufstand.
Während unserer ersten Brandenburger Jahre, als wir alle zwei Wochen hierher kamen, um den Hof zu sanieren, waren wir noch berufstätig und wollten samstags und sonntags gern ausschlafen (bis 9 – ist das schlimm??). Aber unsere Helfer aus dem Dorf waren erbarmungslos und liefen schon um 7 auf dem Hof herum. Mittlerweile ist das frühe Aufstehen kein Problem mehr, aber dann möchte ich mich doch mittags gern für ein Stündchen aufs Sofa legen (auch nicht schlimm, meine ich). Meine Mittagsruhe wird grundsätzlich gestört, es kommt immer mindestens ein Anruf oder es kommt jemand ins Haus, um etwas zu bringen, zu holen oder zu fragen.
Hier also die Szene eines Versuches von Mittagspause:
Pauli, der mir oft hilft (er nimmt Stella, wenn ich verreise, mäht den Rasen usw.), hielt es für notwendig, Stella zu baden. Dazu hatte er schon morgens eine Wanne auf den Hof gestellt, damit sich das Wasser darin erwärmen könne und nicht so viel warmes Leitungswasser benötigt würde.
Ich hatte mich ausnahmsweise draußen auf die Liege gelegt, um ein wenig zu dösen, als er kam, um Stella zu baden. Ich bat darum, es später am Nachmittag zu tun, aber das wurde rundweg abgelehnt, er müsse danach noch seinen Rasen mähen.
„Ich möchte ein bisschen schlafen, Pauli“, sagte ich. „Kannst doch liegen bleiben“, sagte er und stellte Stella in die Wanne. „Kannst du mal das Wasser andrehen?“ Ich stand auf und drehte das Wasser an; ich brachte ihm auch gleich das Hundeshampoo, denn das hatte er sich auch nicht zurecht gestellt. Nun wurde Stella eingeseift und abgespült, sie ließ sich das ganz gern gefallen. „Die Handtücher habe ich im Tankraum zurecht gelegt,“ erklärte ich ihm. „Die kann in der Sonne trocknen,“ meinte er. „Nein, das geht nicht,“ so ich, stand auf und holte die Handtücher; Stella schüttelte sich, so dass im Umkreis von 2 m alles besprüht wurde, ich rubbelte meinen Hund ab, der sich danach in die Sonne legte und ich mich wieder auf meine Liege. Es war eine sehr entspannte Mittagsruhe. Jeden Tag geht es so oder ähnlich.
Euch sei mehr Muße gegönnt – eure Renate
P.S. Als ich neulich von meiner Reise aus Westfalen zurück kehrte, las ich bei Marienborn an der Autobahn, wo früher mal die Zonengrenze verlief und heute Sachsen-Anhalt beginnt, ein Schild: „Willkommen im Land der Frühaufsteher“ – wohl wahr!